Archive for ‘Auf deutsch’

junio 3, 2013

Meeresstille

Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sieht der Schiffer
Glatte Fläche ringsumher.
Keine Luft von keiner Seite!
Todesstille fürchterlich!
In der ungeheuern Weite
Reget keine Welle sich.

Goethe
&
Gerhard Richter, Seascape (Cloudy), 1969 (Oil on canvas)

Gerhard Richter, Seascape (Cloudy), 1969 (Oil on canvas)

abril 10, 2013

Clara [ auf deutsch ]

Clara en su oficina de Rostock. Febrero 2013.

Clara ist Soziologin. Sie kommt aus La Plata, sie wohnt zurzeit in Rostock.

Dies ist ein 5-minütiger Auszug aus dem Interview, das ich mit Clara gemacht habe. Es ist die erste von 6 Fragen, die ich ihr gestellt habe.

Was hast du dir vorgestellt, was du in Deutschland finden würdest, was ist das Wichtige für Dich an dieser Reise?

Diese Frage zu beantworten ist gar nicht so einfach. Da kommen verschiedene Dinge zusammen: Für mich ist es die dritte Reise nach Deutschland, und das hat mit einer Beziehung zu Deutschland zu tun, die schon im frühen Kindesalter anfing. Als ich zwei Jahre alt war, ging mein Vater nach Deutschland, um dort zu recherchieren. Er hat ein Jahr lang an einem Projekt gearbeitet, und in diesem Jahr schickte er uns – meinen drei Schwestern und mir, und unsere jüngste Schwester war auch schon unterwegs – Briefe, Geschenke und alle möglichen Dinge. Während meiner Kindheit war Deutschland immer der Ort, an dem mein Vater für eine bestimmte Zeit war, und später der Ort, aus dem Leute zu uns kamen. Wir wohnten in City Bell, in den achtziger und neunziger Jahren kamen viele Deutsche zu Besuch, brachten Geschenke mit, sie haben uns Kassetten mit deutschen Liedern geschickt, die wir dann gesungen haben. Mein Vater hatte ein paar typisch deutsche Gewohnheiten angenommen, solche Sachen wie sich die Schuhe auszuziehen, wenn er nach Hause kam, viele Dinge aus der deutschen Kultur brachte er mit in die Familie, und Deutschland war ein Ort, aus dem immer diese Fotos kamen, diese Leute, diese Lieder. Es war so etwas wie eine zweite Kultur, zumal wir auch ins Deutsche Institut in La Plata gingen. Wir haben Deutsch gelernt und an allen Veranstaltungen des Instituts teilgenommen. Und als ich mein Abitur gemacht hatte, bin ich dann nach Deutschland gegangen und habe dort sechs Monate in einer Familie als Au-pair-Mädchen gearbeitet. Danach habe ich mit dem Soziologiestudium angefangen. Als ich begann, deutsche Philosophen zu lesen, wurde aus dieser Kindheitserinnerung eine stärker intellektuelle Angelegenheit. Und da habe ich mich gefragt, wie es geschehen konnte, dass so viele wichtige Persönlichkeiten, so viele unglaubliche Denker, die mich immer fasziniert hatten, die von der Frankfurter Schule zum Beispiel, – wie konnte es geschehen, dass ein Land, dass diese Philosophen hervorgebracht hat, den Nationalsozialismus hervorbrachte? Diese Frage hat mich verfolgt, dieses in vieler Hinsicht so schöne Land, mit seiner Natur, mit diesen Denkern, mit diesen Dichtern, mit diesen Künstlern… immer hat mich diese Frage verfolgt, die sich, glaube ich, viele Leute stellen, auch die Deutschen selbst: Wie konnte so etwas geschehen? Diese extreme Art, wie Deutschland das 20. Jahrhundert erlebt hat, hat mich angezogen. Deutschland hat eine Revolution im 19. Jahrhundert, eine unvollendete im 20. und eine demokratische Phase erlebt, die Weimarer Republik, dann kommt der Nationalsozialismus, danach ist Deutschland geteilt, es gibt den sozialistischen Teil und den demokratischen, kapitalistischen Teil, und zuletzt das wiedervereinigte Deutschland, das wir jetzt haben. In diesem Sinne scheint es mir ein Land zu sein, welches das 20. Jahrhundert in seiner ganzen Intensität erlebt hat… alle politischen Regimes, die möglich sind. Seit ich Politikwissenschaften und Soziologie studiere, glaube ich, dass Deutschland ein Ort ist, an dem dieses 20. Jahrhundert explodiert… nicht nur, weil es hier eine große Produktivität gab, in der Philosophie, in der Politik, dieses Land ist geprägt von der Geschichte des 20. Jahrhunderts, für die ich mich immer interessiert habe. Was wollte ich finden? Das sind so Fragen… Es ist ja ein bisschen merkwürdig, warum studiert jemand, der aus Argentinien kommt, mit großer Leidenschaft deutsche Philosophie, und genau damit hat mein Thema zu tun, ich forsche über Argentinier, die wie ich ihre Begeisterung für die deutsche Philosophie entdeckt haben. Was suchten diese Philosophen hier? Weshalb begeisterten sie sich eigentlich so sehr für die Philosophie und für Deutschland? Sie haben das Land auch bereist, und ich tue das Gleiche. Hier zu studieren hat für mich den großen Vorteil, dass ich beide Seiten erlebe, ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass ich jetzt von Argentinien abgeschnitten wäre. Es ist kein Nachteil, sondern ein Plus für mein Arbeitsthema, dass ich hier sein kann. Mein Arbeitsthema ist nicht nur ein Arbeitsthema für mich, es ist mein Leben. Ich arbeite jeden Tag mit neuer Leidenschaft an diesem Thema.

Traducción/ Übersetzung: Uwe Schoor

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marzo 14, 2013

Mar

Monje a orillas del mar/ Mönch am Meer

Caspar David Friedrich - Mönch am Meer

“Herrlich ist es, in einer unendlichen Einsamkeit am Meeresufer unter trübem Himmel auf eine unbegrenzte Wasserwüste hinauszuschauen. Dazu gehört gleichwohl, daß man dahin gegangen sei, daß man zurück muß, daß man hinüber möchte, daß man es nicht kann, daß man alles zum Leben vermißt und die Stimme des Lebens dennoch im Rauschen der Flut, im Wehen der Luft, im Ziehen der Wolken, in dem einsamen Geschrei der Vögel vernimmt.”

Heinrich von Kleist

Kleist, Brentano, Arnim Verschiedene Empfindungen vor einer Seelandschaft

Caspar David Friedrich Der Mönch am Meer 1809 (Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Nationalgalerie Berlin)